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Liselotte
Kunkel
MUSIK DES 20. JAHRHUNDERTS MIT VIELEN TRADITIONELLEN
MOMENTEN
Kompositionstechniken im Chorwerk von Knut Nystedt
Der Komponist Knut Nystedt feiert am 3. September 2010 seinen
95. Geburtstag.
Weit über sein Heimatland Norwegen hinaus ist er vor allem
durch seine Werke für Chor a cappella bekannt. In den Stücken
des langjährigen Organisten und Dirigenten, der bereits durch
sein Elternhaus christlich geprägt und mit Kirchenmusik in
Berührung gebracht wurde, finden sich Einflüsse des
Gregorianischen Chorals und der klassischen Vokalpolybelstellen
oder anderen sakralen Themen. Die Klangsprache von Nystedts Chorstücken
enthält – gemessen an der Entstehungszeit – viele
Abschnitte in stabiler
Dur-/Moll-Tonalität, mitunter mit neomodalen Elementen. Bei
der Betrachtung der
Harmonik in diesen traditionell, mitunter spätromantisch
geprägten Abschnitten, fallen Fakturen und Idiome auf, die
sich in Chorstücken unterschiedlichen Charakters
wiederfinden. In den folgenden Ausführungen, die natürlich
nur Schlaglichter auf die kompositorische Vielfalt Nystedts werfen
können, sollen folgende Aspekte angesprochen werden:
– charakteristische Akkordtypen
– typische Figurationen
– Pendel und Kadenzen
– tonale und reale Mixturen (also Parallelführungen
von Mehrklängen)
– Orgelpunkte in verschiedenen Stimmen
Die Charakteristik der Klangsprache sowie die Ausprägung
der jeweiligen Tonalität
kann am besten in längeren, mehrtaktigen Ausschnitten betrachtet
werden. Dabei
treten mitunter mehrere der genannten Elemente gleichzeitig auf.
Elemente des 19. und 20. Jahrhunderts in Kombination
Zwei Ausschnitte aus der Vertonung einer norwegischen Volksweise
zeigen die
Kombination von romantisierenden und moderneren Klängen.
Im Notenbeispiel 1
schließt das Werk: zwei traditionellen Pendeln der Stufenfolge
I-VII o7-I (d-cis
o7-d). Typisch romantisch erscheinen dabei die abspringenden Nebennoten
in T.
60 (Töne f2 und h1 im Sopran), moderner
hingegen die – für Nystedt überaus typische
– Quartsextumkehrung im Schlussakkord. Der zweite Alt singt
ab T. 59 (Akzent-)
Oktavparallelen zum Sopran. Solche Parallelführungen treten
auch in anderen
Chorwerken Nystedts auf, meist in kurzen Passagen.
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Notenbeispiel
1:
Jeg lagde meg sa sildig
– Als ich mich niederlegte, T. 59–61.
Chorsatz: Knut Nystedt,
Textübertragung: Ha ns-Jürgen Habelt,
Copyright © by Möseler Verlag, Wolfenbüttel |
Das zitierte melodische Motiv des Soprans wird an einer früheren
Stelle des Werks anders harmonisiert. Hier findet sich das Pendel
I-II-I (d-e o-d) mit dem merkwürdig kargen verminderten Dreiklang
in der Mitte. Dieser Klang kommt traditionell entweder als Sextakkord
oder aber in Grundstellung als Vierklang vor und wirkt in der
Ausprägung als verminderter Dreiklang in Grundstellung ebenso
unvollständig wie die Klänge G-Dur
in T. 39, letztes Sechzehntel, und A-Dur in T. 40, 1. Viertel
(Notenbeispiel 2). Diese beiden Klänge
treten jeweils ohne Quinte auf. Solche Zweiklänge finden
sich ähnlich an vielen anderen Stellen der Chorsätze.
Auch dieser Abschnitt schließt mit einer labilen Dreiklangsumkehrung,
einem d-Moll-Sextakkord. Romantisierend klingen die akkordfremden
betonten Figurationen der Melodie im genannten Pendel mit den
Tönen f in T. 38, 2. Viertel (einspringende Nebennote) und
e in T. 39, 1. Viertel (Vorhalt).
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Notenbeispiel 2:
Jeg lagde meg sa sildig – Als ich mich
niederlegte, T. 38–40 |
Bei der ersten Harmonisierung des melodischen Motivs (Notenbeispiel
3) findet sich einleitend der Anfang einer Kadenz
mit der Stufenfolge I-II (als Sekundakkord) -V (d-eø2-A),
wiederum mit figurativem Akzent der Oberstimme. Der Sekundakkord
droht – versetzt auf den Basston c – die Tonalität
in T. 18, 2. Viertel, kurzzeitig zu sprengen, bis der Abschnitt
mit einer VII-I-Wendung (cis o7-d) beschlossen wird. Die I tritt
wiederum mit der Quinte im Bass, also als Quartsextakkord, auf.
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Notenbeispiel 3:
Jeg lagde meg sa sildig –
Als ich mich niederlegte, T. 17–19 |
Den vollständigen Artikel finden Sie in der Printausgabe
der Musica sacra
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