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Ausgabe 2006/05
September/Oktober

Ins Netz gegangen

QUELLENKUNDE IM NETZ
Digitale Faksimilesammlungen mit Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten

Im letzten Heft haben wir Ihnen noch einmal eine Liste von Seiten an die Hand
geben, auf denen Sie in selbst erstellten Noten kostenlos blättern und viele neue
interessante Stücke kennen lernen können. Wie immer bei öffentlichen Archiven mit
selbst bearbeiteten oder -erstellten Noten ist freilich die Textqualität der Dateien zu hinterfragen. Dass das Internet aber nicht nur einen Fundus unkritischer Texteditionen zur
Verfügung stellt, sondern zu einer kritischen Quellenkunde beitragen kann, zeigen drei
Projekte, die wir Ihnen dieses Mal vorstellen möchten:

Schubert digital
Unter www.schubert-online.at findet der Schubertfreund 457 autographe Noten- manuskripte in bemerkenswerter Qualität, die betrachtet und als digitale Reproduktion bestellt werden können. Weiterhin finden sich Reproduktionen einiger Briefe und Materialien, selbstverständlich eine Schubert-Biographie mit wichtigen Links, u. a. zur Neuen Schubert-Ausgabe, zu Werklisten im Netz und weiteren Linksammlungen. Vervollständigt wird das Angebot durch eine Seite, auf der die Bestände der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus präsentiert werden.

 

Bach digital
Unter www.bach-leipzig.de/main_deutsch/bibliothek/menu/bachdigital/start_text.html sollen in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, dem Johann-Sebastian-Bach-Institut Göttingen, dem Rechenzentrum der Universität Leipzig und anderen Partnern langfristig alle weltweit existierenden Bach-Autographe digitalisiert und dieser kulturgeschichtlich wertvolle Bach-Quellenbestand im Internet einem breiteren Nutzerkreis zugänglich gemacht werden. Anhand des momentan einzigen Probebeispiel der originalen Aufführungsstimmen von 1724 zur Kantate Ach
Gott vom Himmel, sieh darein
– kann man sich einen Eindruck von den technischen Möglichkeiten dieser digitalen Bach-Quellensammlung machen. Ruft man die
gewünschte Seite in der gewünschten Stimme auf, kann man mit Hilfe einer
Navigationsleiste einen Zoom betätigen und fragliche Stellen in höchster Auflösung studieren. Ein verheißungsvolles Projekt, das einen bemerkenswerten Beitrag zu einer eigenständischen kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen praktischen Bach- Editionen leistet. Seine Fortsetzung sollte man unbedingt verfolgen.

 

Anleitung zur Quellenkunde
Ist man mit dem wissenschaftlichen Umgang von Archivquellen noch nicht so vertraut,
bietet die Schweizer Internetseite „Ad fontes“ ein umfangreiches Tutorium an. Übersichtlich aufbereitet, richtet sich www.adfontes.unizh.ch an Studierende der
Geschichtswissenschaft und verwandter Fächer, aber auch an interessierte Laien.
Anhand von Beispielen aus dem Stiftsarchiv Einsiedeln vermittelt es wichtige Kompetenzen für die Erschließung und Auswertung handschriftlichen Quellenmaterials
mit dem Ziel, den Interessenten auf einen Forschungsaufenthalt im Archiv vorzubereiten.
Wie findet man sich in einem Archiv zurecht? Wie liest, datiert und beschreibt man alte Handschriften? Welches sind geeignete Hilfsmittel bei der Erforschung von
handschriftlichen Quellen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit?

 

An die Beantwortung dieser Fragen wird man mittels konkreter Übungen herangeführt.
Beim ersten Besuch sollte man auf der Startseite die Einführung wählen, wo grundsätzliche Zielsetzungen und die angestrebten Lernergebnisse definiert werden. Außerdem werden die einzelnen Bestandteile des Gesamtangebots, deren Vernetzung sowie mögliche Nutzungsstrategien näher erläutert. Drei Hauptkomponenten machen den Kern von „Ad fontes“ aus: Im „Archiv“ können konkrete Arbeitsaufgaben bei der Auswertung von Archivalien gelöst werden. Das „Tutorium“ vermittelt Grundwissen, das anschließend im „Training“ erprobt und vertieft werden kann. Die einzelnen Abteilungen sind direkt miteinander verknüpft, so dass etwa im Bereich „Archiv“ stets Hyperlinks angeboten werden, die direkt zu relevanten Informationen im „Tutorium“ führen. Die auf der bekannten Einrichtung des Karteikarten-Reiters aufgebaute Navigation ist klar strukturiert und weist die Besonderheit auf, dass die Bewegungen des Nutzers innerhalb der einzelnen Abteilungen protokolliert werden. Auf diese Weise wird ein umständliches Zurückklicken vermieden, weil beim vorübergehenden Wechsel zwischen zwei Bereichen der direkte Rücksprung auf den Ausgangspunkt möglich wird.
Der Nutzer meldet sich einmal mit seiner E-Mail-Adresse und einem Passwort kostenlos
an und kann dann die einzelnen Übungen absolvieren. Vermittelt werden Informationen
zu Handschriften (Quellen des 14. bis 19. Jahrhunderts lesen, transkribieren, datieren
und beschreiben), Grundsatzwissen zu Editionen und ihren Hilfsmitteln und Terminologien sowie Kenntnisse zu weiteren Informationsquellen bei Problemfällen, z. B. bei Siegeln, Wappen, Wasserzeichen.
Zwar beinhaltet das Angebot noch nicht den Umgang mit Musikhandschriften dieser
Zeit, was wünschenswert und eine noch größere Bereicherung wäre, es ist aber für
Kirchenmusiker bei einer Beschäftigung mit Chor- und Orgelchroniken dieses Umfelds
auch sehr hilfreich.

mcd und ms

 
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