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Ins
Netz gegangen
QUELLENKUNDE IM NETZ
Digitale Faksimilesammlungen mit Einführung ins wissenschaftliche
Arbeiten
Im letzten Heft haben wir Ihnen
noch einmal eine Liste von Seiten an die Hand
geben, auf denen Sie in selbst erstellten Noten kostenlos blättern
und viele neue
interessante Stücke kennen lernen können. Wie immer
bei öffentlichen Archiven mit
selbst bearbeiteten oder -erstellten Noten ist freilich die Textqualität
der Dateien zu hinterfragen. Dass das Internet aber nicht nur
einen Fundus unkritischer Texteditionen zur
Verfügung stellt, sondern zu einer kritischen Quellenkunde
beitragen kann, zeigen drei
Projekte, die wir Ihnen dieses Mal vorstellen möchten:
Schubert digital
Unter www.schubert-online.at
findet der Schubertfreund 457 autographe Noten- manuskripte in
bemerkenswerter Qualität, die betrachtet und als digitale
Reproduktion bestellt werden können. Weiterhin finden sich
Reproduktionen einiger Briefe und Materialien, selbstverständlich
eine Schubert-Biographie mit wichtigen Links, u. a. zur Neuen
Schubert-Ausgabe, zu Werklisten im Netz und weiteren Linksammlungen.
Vervollständigt wird das Angebot durch eine Seite, auf der
die Bestände der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus
präsentiert werden.
Bach digital
Unter www.bach-leipzig.de/main_deutsch/bibliothek/menu/bachdigital/start_text.html
sollen in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer
Kulturbesitz, dem Johann-Sebastian-Bach-Institut Göttingen,
dem Rechenzentrum der Universität Leipzig und anderen Partnern
langfristig alle weltweit existierenden Bach-Autographe digitalisiert
und dieser kulturgeschichtlich wertvolle Bach-Quellenbestand im
Internet einem breiteren Nutzerkreis zugänglich gemacht werden.
Anhand des momentan einzigen Probebeispiel der originalen Aufführungsstimmen
von 1724 zur Kantate Ach
Gott vom Himmel, sieh darein – kann man sich einen
Eindruck von den technischen Möglichkeiten dieser digitalen
Bach-Quellensammlung machen. Ruft man die
gewünschte Seite in der gewünschten Stimme auf, kann
man mit Hilfe einer
Navigationsleiste einen Zoom betätigen und fragliche Stellen
in höchster Auflösung studieren. Ein verheißungsvolles
Projekt, das einen bemerkenswerten Beitrag zu einer eigenständischen
kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen praktischen Bach-
Editionen leistet. Seine Fortsetzung sollte man unbedingt verfolgen.
Anleitung zur Quellenkunde
Ist man mit dem wissenschaftlichen Umgang von Archivquellen noch
nicht so vertraut,
bietet die Schweizer Internetseite „Ad fontes“ ein
umfangreiches Tutorium an. Übersichtlich aufbereitet, richtet
sich www.adfontes.unizh.ch
an Studierende der
Geschichtswissenschaft und verwandter Fächer, aber auch an
interessierte Laien.
Anhand von Beispielen aus dem Stiftsarchiv Einsiedeln vermittelt
es wichtige Kompetenzen für die Erschließung und Auswertung
handschriftlichen Quellenmaterials
mit dem Ziel, den Interessenten auf einen Forschungsaufenthalt
im Archiv vorzubereiten.
Wie findet man sich in einem Archiv zurecht? Wie liest, datiert
und beschreibt man alte Handschriften? Welches sind geeignete
Hilfsmittel bei der Erforschung von
handschriftlichen Quellen des Mittelalters und der Frühen
Neuzeit?
An die Beantwortung dieser Fragen wird man mittels konkreter
Übungen herangeführt.
Beim ersten Besuch sollte man auf der Startseite die Einführung
wählen, wo grundsätzliche Zielsetzungen und die angestrebten
Lernergebnisse definiert werden. Außerdem werden die einzelnen
Bestandteile des Gesamtangebots, deren Vernetzung sowie mögliche
Nutzungsstrategien näher erläutert. Drei Hauptkomponenten
machen den Kern von „Ad fontes“ aus: Im „Archiv“
können konkrete Arbeitsaufgaben bei der Auswertung von Archivalien
gelöst werden. Das „Tutorium“ vermittelt Grundwissen,
das anschließend im „Training“ erprobt und vertieft
werden kann. Die einzelnen Abteilungen sind direkt miteinander
verknüpft, so dass etwa im Bereich „Archiv“ stets
Hyperlinks angeboten werden, die direkt zu relevanten Informationen
im „Tutorium“ führen. Die auf der bekannten Einrichtung
des Karteikarten-Reiters aufgebaute Navigation ist klar strukturiert
und weist die Besonderheit auf, dass die Bewegungen des Nutzers
innerhalb der einzelnen Abteilungen protokolliert werden. Auf
diese Weise wird ein umständliches Zurückklicken vermieden,
weil beim vorübergehenden Wechsel zwischen zwei Bereichen
der direkte Rücksprung auf den Ausgangspunkt möglich
wird.
Der Nutzer meldet sich einmal mit seiner E-Mail-Adresse und einem
Passwort kostenlos
an und kann dann die einzelnen Übungen absolvieren. Vermittelt
werden Informationen
zu Handschriften (Quellen des 14. bis 19. Jahrhunderts lesen,
transkribieren, datieren
und beschreiben), Grundsatzwissen zu Editionen und ihren Hilfsmitteln
und Terminologien sowie Kenntnisse zu weiteren Informationsquellen
bei Problemfällen, z. B. bei Siegeln, Wappen, Wasserzeichen.
Zwar beinhaltet das Angebot noch nicht den Umgang mit Musikhandschriften
dieser
Zeit, was wünschenswert und eine noch größere
Bereicherung wäre, es ist aber für
Kirchenmusiker bei einer Beschäftigung mit Chor- und Orgelchroniken
dieses Umfelds
auch sehr hilfreich.
mcd und ms
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