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Ausgabe 2005/04
Juli/August

Ins Netz gegangen

„Digitale Notenbibliothek“ – Die öffentliche Notenbibliothek von Gerhard Mühlritter

Unter der Adresse www.musikbibliothek.de steht im Internet eine täglich wachsende
Online-Musikbibliothek mit inzwischen über 5.000 Werken. Ihr Angebot versteht
sich vorrangig als ein besonderer Dienst für musizierende Menschen, die aufgrund
ihrer geographischen Lage nicht einfach die Möglichkeit haben, in eine der wenigen kommunalen Musikbibliotheken zu gehen und davon zu profitieren. Das wöchentlich um etwa 100 Notenausgaben erweiterte Repertoire umfasst etliche Besetzungen – von der Literatur für einzelne Instrumente wie Orgel über Chor und Instrumentenensembles
bis hin zu komplexen Orchesterwerken und reicht von Heinrich Isaak (um 1450–1517) bis hin zu zeitgenössischen Komponisten. Letzteres resultiert aus einer Kooperation mit der Musikplattform www.copy-us.com, die sich darauf spezialisiert hat, zeitgenössische Komponisten bei der Veröffentlichung und Verwertung ihrer Werke behilflich zu sein. Außerdem unterstützt die Online-Musikbibliothek mit der „Online-Musiclibrary“
(http://www.online-musiclibrary.com) den internationalen Austausch von Werken, so
dass damit ein sehr spannender kultureller Austausch entstehen könnte. Das Angebot der Musikbibliothek ist sehr vielgestaltig: Man kann Notenausgaben suchen, ansehen, herunterladen und ausdrucken, aber auch Wünsche an den Betreiber oder unter der Rubrik „Forum“ bekannt geben, wenn das gewünschte Werk hier nicht gefunden wird. Die Suche erfolgt entweder nach Textanfang oder Titel, Besetzung, Epoche, Komponisten oder Reihe (z. B. Kantate, Oratorium etc.). Hat man aus dem Suchergebnis einen Titel angeklickt, öffnet sich ein Fenster mit einer Vorschau des Werkes und es besteht die Möglichkeit, die Noten im Pdf-Format herunter zu laden oder im Format des Notenschreibprogramms Capella für eine evtl. Weiterverarbeitung zu erhalten. Neu ist die Möglichkeit, Einspielungen zu diesem Stück, soweit vorhanden, anzuhören oder eine eigene Einspielung anzumelden. Diese kann man entweder per Telefon an die Musikbibliothek zukommen lassen oder im MP3-Format einsenden bzw. mailen. Diese Idee ist sicherlich gut, um eine ungefähre Klangvorstellung von dem Stück zu erhalten. Die bisher wenigen, überwiegend synthetischen Interpretationen überzeugen
hier jedoch nicht!



Darüber hinaus gibt es zu jedem Stück bei der Notenvorschau die Möglichkeit, nähere
Informationen über den Komponisten und die Epoche abzurufen. Möchte man dieses Angebot nutzen, öffnet sich entweder ein Fenster mit einer Kurzvita (teils auch mit Bild), oft mit kurzer musikgeschichtlicher Einordnung des Komponisten und anschließender Übersicht aller weiteren Werke, die bei der Online-Bibliothek erhältlich sind. Oder es erscheint ein Zahlenstrahl mit einer allerdings etwas sehr großzügigen Epocheneinteilung.
Die Nutzung der Bibliothek ist kostenpflichtig: Um Noten als Pdf- oder Capella-Datei
herunterzuladen (die Notensuche und -vorschau kann von jedem Besucher der Seite in Anspruch genommen werden), ist eine Online-Anmeldung nötig, die jedoch leicht durchführbar ist. Mit Hilfe des Mitgliedsbeitrages von 29 Euro für ein ganzes Jahr oder 19 Euro für ein halbes Jahr kann man uneingeschränkt auf die vollen Leistungen zugreifen und sich so viele Noten herunterladen, wie man für ihren persönlichen Bedarf benötigt. Es entstehen keine weitere Kosten beim Download der Noten, bei der Veröffentlichung von eigenen Kompositionen oder Interpretationen.
Es gibt aber auch eine Möglichkeit, die Musikbibliothek als so genannter „Mitmacher“
kostenlos zu nutzen. Offizieller „Mitmacher“ ist, wer pro Quartal mindestens ein eigenes oder ein selbst gesetztes Werk eines Komponisten an die Online-Musikbibliothek übermittelt, welches dann von ihr veröffentlicht wird.
Die Online-Musikbibliothek ist ein willkommenes Angebot, um von zu Hause aus in aller Ruhe auf die Suche nach Werke zu gehen, zu stöbern und auch Neues kennen zu lernen. Allerdings muss man sich als Nutzer im Klaren sein, dass, auch wenn die teils von den Betreibern der Online-Musikbibliothek selbst gesetzten, teils von Mitgliedern gelieferten erhältlichen Noten auf „Qualität“ untersucht und etwaige Fehler im Vorfeld der Veröffentlichung zu beheben versucht werden, eine Quellenprüfung nicht durchgeführt werden kann. So muss jeder bei der Online-Musikbibliothek wie bei allen Noten, die man aus dem Internet herunter laden kann, sich je nach Anlass entscheiden, ob er Schnelligkeit und einfache, meist billige Verfügbarkeit oder wissenschaftliche Akribie bevorzugt. (Stand: 4. Juli 2005)

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