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In Memoriam
Künder des Lobes Gottes
Zum Tode des Komponisten Bertold Hummel
Professor Bertold Hummel erlag am Freitag, den 9. August im
Alter von 76 Jahren nach kurzem Leiden in einer Würzburger
Klinik einer schweren Krankheit.
Hummel gehörte zu den bedeutendsten zeitgenössischen
Komponisten. Das Œuvre des leidenschaftlichen, schaffensfreudigen
Musikers und Komponisten umfasst 105 Opera. Dahinter verbergen
sich über 200 Werke aus allen Sparten musikalischer Gattungen.
Als Hauptwerke zählen unter anderem die Kammeroper „Des
Kaisers neue Kleider“, das Oratorium „Der Schrein
der Märtyrer“ für Soli, 2 Chöre, drei Orgeln
und großes Orchester (op. 90), die drei Sinfonien, „Visionen“
für großes Orchester nach der Apokalypse, fünf
Messen und ein „Lauda Sion“ für Chor und Orchester.
Freundlich und
hintergründig zugleich
Obwohl seine Kompositionen auf Podien aller Welt aufgeführt
wurden und werden, machte Hummel nie viel Aufhebens um seine Person:
Er wirkte eher ruhig, freundlich, immer auch ein bisschen distanziert
mit einem hintergründigen Humor. Mit seiner Musik wollte
er einen bescheidenen Beitrag für eine humanere und lebenswertere
Welt leisten. So schrieb er für den Hörer und nicht
„um der Kunst willen“, da dies das „Beziehungsdreieck“
Komponist – Interpret – Hörer durcheinander brächte,
wie er einmal in einem Zeitungsinterview sagte. Hummels Tonsprache
zeichnete sich durch den Pluralismus, der sich auch in den Kompositionsmethoden
findet, aus.
Eine Kindheit mit Musik
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Bertold Hummel blättert
in der Partitur seines Oratoriums „Der Schrein der
Märtyrer“. Foto: Theresia Ruppert |
Am 27. November 1925 in ein musikalisches Lehrerhaus im badischen
Hüfingen hineingeboren – der Vater war nebenberuflich
Organist und Chorleiter –, lebte Bertold Hummel seit seiner
Kindheit mit der Musik. Schon als Achtjähriger begeisterte
er sich für Anton Bruckner. Nach einer Radioübertragung
von Bruckners „Dritter“ erwachte in ihm spontan der
Wunsch, auch Komponist zu werden. Die viertaktige choralartige
Tonfolge, die er sich damals aufschrieb, integrierte er Jahrzehnte
später in seine Orgelkomposition „In Memoriam Anton
Bruckner“ – Ausdruck einer tiefen, lebenslangen Verbundenheit
mit dem großen Österreicher. Die Reverenz für
den Meister von St. Florian ließ ihn, der fast 40 Jahre
in Würzburg lebte, zum Promotor des Würzburger Bruckner-Festes
werden. Zusammen mit Professor Erwin Horn und Domkapellmeister
Siegfried Koesler sorgte er für anspruchsvolle Aufführungen
in der Kilians-Stadt. Mit Bischof Paul-Werner befreundet, komponierte
Hummel nach dessen Textvorlage den „Schrein der Märtyrer“,
ein Oratorium, das sich auf die Bildfolge des von Heinrich Gerhard
Bücker 1987 geschaffenen Kilians-Schreins bezieht. Es setzt
Leben, Wirken und Sterben der Frankenapostel in Bezug zur Verkündigung,
Passion und Auferstehung Christi. Zum 75. Geburtstag des Komponisten
im November 2000 erlebte es eine ins Mark gehende Wiederaufführung
im Würzburger Dom.
Bereits im Gymnasium lernte Hummel bei Spätromantiker
Julius Weismann Harmonielehre und Kontrapunkt. Nach seiner Entlassung
aus französischer Kriegsgefangenschaft studierte er bis 1954
Violoncello bei Atis Teichmanis und Kompositionslehre bei Hindemith-Schüler
Harald Genzmer. Auch wenn Hummel andere Wege als letzterer ging,
ließ er sich von dessen Postulat leiten: „Musik soll
vital, kunstvoll und verständlich sein. Als erfahrbar möge
sie den Interpreten für sich gewinnen, als erfahrbar sodann
den Hörer.“
Profilierter Künstler und kreativer Könner
Von 1954 bis 1956 konzertierte er als Komponist und Violoncellist
bevor er von 1956 bis 1963 als Kantor an St. Konrad in Freiburg
i. Br. und als freier Mitarbeiter des Südwestfunks Baden-Baden
tätig war. 1963 wurde er als Kompositionslehrer an das damalige
Staatskonservatorium für Musik in Würzburg berufen,
wo er 1974 auch zum Professor ernannt wurde. 1979 bis 1987 war
er Präsident der Hochschule, der er auch nach seinem Eintritt
in den Ruhestand 1987 bis zuletzt eng verbunden blieb, und wurde
1988 für sein außergewöhnliches Engagement zum
Ehrenpräsidenten ernannt. Von 1963 bis 1988 leitete er das
„Studio für neue Musik“ an der Musikhochschule
und setzte sich darüber hinaus für die Aufführung
zeitgenössischer Musik ein. Unter seiner Ägide wurden
die Würzburger „Tage der Neuen Musik“ ins Leben
gerufen. 1982 wurde er in die Bayerische Akademie der Schönen
Künste gewählt, die ihn 1996 mit dem Friedrich-Baur-Preis
auszeichnete. Für seine Verdienste um die Kirchenmusik wurde
er 1985 von Bischof Paul-Werner Scheele mit der „Bruno-Medaille“
ausgezeichnet. 1995 erhielt Hummel die „Orlando-di-Lasso-Medaille“
des ACV und 1998 den Kulturpreis der Deutschen Katholiken für
seinen „wesentlichen Beitrag zur musikalischen Kultur in
Deutschland“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,
Kardinal Karl Lehmann.
Mit Hummel verliert Würzburg einen seiner profiliertesten
Künstler, die Musikwelt einen kreativen Könner, die
Kirchenmusik einen von tiefer Gläubigkeit geprägten
Künder des Lobes Gottes.
Marius
Schwemmer
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