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Ausgabe 2002/05
September/Oktober

In Memoriam

Künder des Lobes Gottes
Zum Tode des Komponisten Bertold Hummel

Professor Bertold Hummel erlag am Freitag, den 9. August im Alter von 76 Jahren nach kurzem Leiden in einer Würzburger Klinik einer schweren Krankheit.

Hummel gehörte zu den bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten. Das Œuvre des leidenschaftlichen, schaffensfreudigen Musikers und Komponisten umfasst 105 Opera. Dahinter verbergen sich über 200 Werke aus allen Sparten musikalischer Gattungen. Als Hauptwerke zählen unter anderem die Kammeroper „Des Kaisers neue Kleider“, das Oratorium „Der Schrein der Märtyrer“ für Soli, 2 Chöre, drei Orgeln und großes Orchester (op. 90), die drei Sinfonien, „Visionen“ für großes Orchester nach der Apokalypse, fünf Messen und ein „Lauda Sion“ für Chor und Orchester.

Freundlich und
hintergründig zugleich

Obwohl seine Kompositionen auf Podien aller Welt aufgeführt wurden und werden, machte Hummel nie viel Aufhebens um seine Person: Er wirkte eher ruhig, freundlich, immer auch ein bisschen distanziert mit einem hintergründigen Humor. Mit seiner Musik wollte er einen bescheidenen Beitrag für eine humanere und lebenswertere Welt leisten. So schrieb er für den Hörer und nicht „um der Kunst willen“, da dies das „Beziehungsdreieck“ Komponist – Interpret – Hörer durcheinander brächte, wie er einmal in einem Zeitungsinterview sagte. Hummels Tonsprache zeichnete sich durch den Pluralismus, der sich auch in den Kompositionsmethoden findet, aus.

Eine Kindheit mit Musik

Bertold Hummel blättert in der Partitur seines Oratoriums „Der Schrein der Märtyrer“. Foto: Theresia Ruppert

Am 27. November 1925 in ein musikalisches Lehrerhaus im badischen Hüfingen hineingeboren – der Vater war nebenberuflich Organist und Chorleiter –, lebte Bertold Hummel seit seiner Kindheit mit der Musik. Schon als Achtjähriger begeisterte er sich für Anton Bruckner. Nach einer Radioübertragung von Bruckners „Dritter“ erwachte in ihm spontan der Wunsch, auch Komponist zu werden. Die viertaktige choralartige Tonfolge, die er sich damals aufschrieb, integrierte er Jahrzehnte später in seine Orgelkomposition „In Memoriam Anton Bruckner“ – Ausdruck einer tiefen, lebenslangen Verbundenheit mit dem großen Österreicher. Die Reverenz für den Meister von St. Florian ließ ihn, der fast 40 Jahre in Würzburg lebte, zum Promotor des Würzburger Bruckner-Festes werden. Zusammen mit Professor Erwin Horn und Domkapellmeister Siegfried Koesler sorgte er für anspruchsvolle Aufführungen in der Kilians-Stadt. Mit Bischof Paul-Werner befreundet, komponierte Hummel nach dessen Textvorlage den „Schrein der Märtyrer“, ein Oratorium, das sich auf die Bildfolge des von Heinrich Gerhard Bücker 1987 geschaffenen Kilians-Schreins bezieht. Es setzt Leben, Wirken und Sterben der Frankenapostel in Bezug zur Verkündigung, Passion und Auferstehung Christi. Zum 75. Geburtstag des Komponisten im November 2000 erlebte es eine ins Mark gehende Wiederaufführung im Würzburger Dom.

Bereits im Gymnasium lernte Hummel bei Spätromantiker Julius Weismann Harmonielehre und Kontrapunkt. Nach seiner Entlassung aus französischer Kriegsgefangenschaft studierte er bis 1954 Violoncello bei Atis Teichmanis und Kompositionslehre bei Hindemith-Schüler Harald Genzmer. Auch wenn Hummel andere Wege als letzterer ging, ließ er sich von dessen Postulat leiten: „Musik soll vital, kunstvoll und verständlich sein. Als erfahrbar möge sie den Interpreten für sich gewinnen, als erfahrbar sodann den Hörer.“

Profilierter Künstler und kreativer Könner

Von 1954 bis 1956 konzertierte er als Komponist und Violoncellist bevor er von 1956 bis 1963 als Kantor an St. Konrad in Freiburg i. Br. und als freier Mitarbeiter des Südwestfunks Baden-Baden tätig war. 1963 wurde er als Kompositionslehrer an das damalige Staatskonservatorium für Musik in Würzburg berufen, wo er 1974 auch zum Professor ernannt wurde. 1979 bis 1987 war er Präsident der Hochschule, der er auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand 1987 bis zuletzt eng verbunden blieb, und wurde 1988 für sein außergewöhnliches Engagement zum Ehrenpräsidenten ernannt. Von 1963 bis 1988 leitete er das „Studio für neue Musik“ an der Musikhochschule und setzte sich darüber hinaus für die Aufführung zeitgenössischer Musik ein. Unter seiner Ägide wurden die Würzburger „Tage der Neuen Musik“ ins Leben gerufen. 1982 wurde er in die Bayerische Akademie der Schönen Künste gewählt, die ihn 1996 mit dem Friedrich-Baur-Preis auszeichnete. Für seine Verdienste um die Kirchenmusik wurde er 1985 von Bischof Paul-Werner Scheele mit der „Bruno-Medaille“ ausgezeichnet. 1995 erhielt Hummel die „Orlando-di-Lasso-Medaille“ des ACV und 1998 den Kulturpreis der Deutschen Katholiken für seinen „wesentlichen Beitrag zur musikalischen Kultur in Deutschland“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann.

Mit Hummel verliert Würzburg einen seiner profiliertesten Künstler, die Musikwelt einen kreativen Könner, die Kirchenmusik einen von tiefer Gläubigkeit geprägten Künder des Lobes Gottes.

Marius Schwemmer

 

 
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