Zur Startseite der Musica sacra

Musica sacra Startseite
Klick öffnet das Inhaltsverzeichnis dieser Ausgabe
 
 

Zur aktuellen Ausgabe

Archiv / Suche

Kirchenmusikalische Links

Abonnement der Musica sacra

Kontakt zur Musica sacra

 

 

 

 

 


Ausgabe 2002/04
Juli/August

Zwischen Loyalität und Tradition

Symposium „Martin Gerbert – Fürst und Abt von St. Blasien“ in St. Blasien, 4./5. Mai 2002

Die Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg e.V. und das Kolleg St. Blasien luden am 4./5. Mai 2002 zu einem Symposium über Leben und Wirken des Fürstabtes Martin Gerbert (1720–1793) nach St. Blasien ein. Prof. Dr. Manfred Hermann Schmid (Tübingen), der das Symposium moderierte, stellte der Referatsreihe einen kurzen Blick auf die facettenreiche Persönlichkeit Martin Gerberts voran. Im Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Fürstabt Martin Gerbert im politischen Umfeld des 18. Jahrhunderts“ referierte Prof. Dr. Hugo Ott (Merzhausen) über die Reisen Gerberts an den Kaiserhof nach Wien und an die Kurie nach Rom. Er hob die Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart im Denken Gerberts hervor, der versuchte, mit seinem Einfluss und Ansehen der Zersetzung des Katholizismus im ausgehenden 18. Jahrhundert entgegenzuwirken. Der folgende Vortrag von Oberstudienrat Adalbert Weh (Kirchzarten) wurde in Vertretung des erkrankten Referenten verlesen. Die Ausführungen zu „Abt und Fürst Martin Gerbert von St. Blasien im Spannungsfeld zwischen Staatsloyalität und Klostertradition“ machten deutlich, dass Gerbert die offene Opposition gegen die kaiserliche Kirchenpolitik vermied und stattdessen subtilere Wege ging, um die Interessen seines Konventes und der katholischen Kirche zu fördern. Prof. Dr. Andreas Traub (Bietigheim) legte in seinem Bericht „Gerberts Scriptores – eine Einführung“ die Bedeutung der „Scriptores“ als Basis für quellengestützte Forschung in der Entstehungszeit der Textsammlung dar und bezeichnete sie als „Beiprodukt“ zu Gerberts „De cantu et musica sacra“. Dr. Michael Bernhard (München) zeigte in seinem Vortrag über „Die ‚Scriptores ecclesiastici de musica sacra potissimum‘ und die moderne Textkritik“ anhand eines konkreten Beispieles auf, dass Gerberts Quellensammlung trotz methodischer Fortschritte in der Textkritik und moderner Editionen einzelner Traktate heute noch immer unverzichtbar ist. In einem weiteren Beitrag stellte Prof. Dr. Traub ein gedrucktes Sankt-Blasianer Graduale vor. Unter dem Titel „Kein Lockreiz für die Ohren, sondern die Seele mit frommem Sinn erfüllen – Martin Gerberts Missa in coena Domini“ gab Prof. Dr. Christian Berger (Freiburg) einen kurzen Überblick über die Musik der Messesätze und verwies darauf, dass Gerbert die Aufgabe der Musik darin sah, zum Lobe Gottes beizutragen – unabhängig von ihrer stilistischen Ausgestaltung. Prof. Dr. Hans Musch (Freiburg) hielt den Abschlussvortrag zum Thema „Martin Gerberts Kirchenmusik“. Musch bezog sich vor allem auf die 1747 erschienenen 24 mehrstimmigen Offertorien, die in Zusammenarbeit mit P. R. Klesatl entstanden waren und einer völlig anderen Klangwelt angehören als die im vorausgegangenen Referat betrachtete Messe. Die Tagung wurde abgeschlossen durch die Aufführung der Missa in coena Domini während des Pontifikalamtes am Sonntagmorgen. Nachmittags führte eine Exkursion ins ehemalige Wilhelmitenkloster in Oberried, das Teile der früheren Bibliothek des Klosters St. Blasien verwahrt.

Waltraud Götz

 
Nach oben

© 2000 ff by Musica sacra, Die Zeitschrift für katholische Kirchenmusik.
Herausgegeben vom Allgemeinen Cäcilien-Verband für Deutschland - Webmaster: Oswald Freudenreich
Alle Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Erlaubnis der Rechteinhaber weiterverwertet werden.
Counter