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Ausgabe 2000/03
Mai/Juni

Musikhochschule Lübeck

Das Institut für Kirchenmusik und der Aufbau des Studiums

Schon der junge Bach machte sich – damals noch zu Fuß! – auf den Weg von Ansbach nach Lübeck, um seinem großen Vorbild Dietrich Buxtehude, damals Kantor an St. Marien, beim Orgelspielen wie beim Komponieren über die Schulter zu schauen. Dieser Studienaufenthalt war für Bach so fruchtbar, dass er ihn deutlich über die vorher geplante Dauer ausdehnte und sich bei seiner Rückkehr nach Ansbach den unbequemen Fragen seiner Vorgesetzten stellen musste. Uns Nachgeborenen ist bekannt, dass Mühe und Ärger sich für ihn und für die Musikgeschichte gelohnt haben...

Studieren an der Musikhochschule Lübeck: ein Blick in den Innenhof
Foto: Gulliver Theis

Heute ist die Kirchenmusikausbildung ein Teil des Angebots der Musikhochschule Lübeck. Das Institut für Kirchenmusik hat seine Wurzeln in der Norddeutschen Orgelschule, einer Abteilung der 1933 gegründeten, auf ein privates Konservatorium zurückgehenden Schleswig-Holsteinischen Musikakademie. Aus diesem (beziehungsweise dem vorigen) Jahrhundert sind die Namen Walter Kraft, Hugo Distler und Jens Rohwer als prominente Vertreter des Instituts für Kirchenmusik zu nennen.
Das Ambiente hat sich seit Bachs historischer Reise geändert, und dennoch ist die „gute alte Zeit“ stets augenfällig: Die Musikhochschule Lübeck hat ihr Zuhause in einem Ensemble aus 22 restaurierten Patrizierhäusern, von denen viele schon standen, als Bach bei Buxtehude hospitierte. Als einziger wirklicher Neubau ist der „Große Saal“ zu nennen, ein Konzertsaal mit zirka 460 Plätzen und einer Konzertorgel der Firma Marcussen. Mit insgesamt elf Orgeln – zu der Konzertorgel und den Übe- und Unterrichtsorgeln ist als jüngste Neuerwerbung eine italienische Barockorgel aus dem Jahre 1777 getreten – bietet die Musikhochschule Lübeck hervorragende Möglichkeiten für die Ausbildung von Kirchenmusikern.

Der Aufbau des Studiums

Obwohl in der katholischen Diaspora gelegen, werden in Lübeck nicht nur evangelische Kirchenmusiker ausgebildet. Beiden Konfessionen stehen die achtsemestrige B-Ausbildung und im Anschluss daran das A-Studium als viersemestriges Aufbaustudium offen. Die Studieninhalte sind durch Erlass einer neuen Prüfungsordnung unlängst einer kritischen Revision unterzogen worden. Sie entsprechen im großen Ganzen der Rahmenordnung und können im Internet abgerufen werden: http://www.mh-luebeck.de ®

Studium & Prüfungsordnungen.

Im Moment wird über eine Reform der im weiteren Sinne liturgischen Fächer nachgedacht, die ab Oktober 2000 greifen soll. Dabei sollen die Bereiche zum einen eine engere wechselseitige Verbindung als bisher eingehen, zum anderen sollen sie ökumenisch ausgestaltet werden, so dass die angehenden Kirchenmusiker intensivere Kenntnis als bisher über die Gottesdienste der jeweils anderen Konfession haben.

Das Studium in Lübeck

Lübeck, die Königin der Hanse und Hochschulstadt (neben der Musikhochschule die Medizinische Universität und die Fachhochschule), liegt am Unterlauf der Trave, zirka zehn Kilometer von der Ostsee entfernt. Die historische Altstadt, in der die Musikhochschule ihren Sitz hat, steht als UNESCO-Weltkulturerbe unter besonderem Schutz. Dabei macht es den einzigartigen Reiz dieser Altstadt aus, dass sie kein Museum ist, sondern dass dort Menschen leben und arbeiten. Nicht wenige Musikstudenten (und Dozenten) wohnen auf der Insel zwischen den Travearmen!
Durch den Studienausweis als sogenanntes „Semesterticket“ ist die Verbindung mit den übrigen Teilen der Stadt gesichert – auch das traditionsreiche Seebad Travemünde gehört zu Lübeck und ist mit den Bussen der Verkehrsgemeinschaft oder den Zügen der Deutschen Bahn schnell zu erreichen. Seit der Öffnung der innerdeutschen Grenze hat Lübeck sein altes Hinterland mit den Ostseebädern entlang der mecklenburgischen Küste zurückgewonnen. Und für die, die unter starkem Fernweh leiden, bieten sich regelmäßige Bahn- und Fährverbindungen nach Hamburg, Köln oder Berlin sowie nach Skandinavien an. Seit Anfang 1996 hat zudem das Schleswig-Holstein Musik Festival seinen Sitz in Lübeck – in eben der Villa, in der die Musikhochschule ihren Anfang nahm. Auch dieses Bonbon trägt ebenso wie die zahlreichen Kirchen, die Gelegenheiten für Orgelmusiken oder Verdienstmöglichkeiten für Organisten bieten, zum Reiz der Hansestadt Lübeck als Studienort bei.

Die Hauptfach-Dozenten

  • Künstlerisches und Liturgisches Orgelspiel: Jürgen Essl, Martin Haselböck, Matthias Janz, Karl-Bernhardin Kropf, Eberhard Lauer, Hartmut Rohmeyer, Armin Schoof
  • Chor- und Orchesterleitung: Gerd Müller-Lorenz
  • Musiktheorie und Komposition: Hans Darmstadt

 

 
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